Was bedeutet Progression bei der Unfallversicherung?

Die Progression ist eines von drei Elementen, die im Versicherungsfall die Höhe der Unfallversicherungsleistung bestimmen. Vereinfacht ergibt sich die Invaliditätsleistung aus Grundsumme × Invaliditätsgrad (laut Gliedertaxe) × ggf. Progression. Die Progression ist dabei der prozentuale Faktor, der die Leistung bei höheren Invaliditätsgraden überproportional steigen lässt: Je höher der festgestellte Invaliditätsgrad, desto stärker wirkt die Progression auf die Auszahlung.

Die progressive Invaliditätsleistung greift bei vielen Tarifen ab einem Invaliditätsgrad von rund 25 % ein. Liegt der Invaliditätsgrad darunter, wird in der Regel nur die einfache, anteilige Versicherungssumme ausgezahlt. Ein Vorteil der privaten Unfallversicherung: Sie kennt üblicherweise keine Wartezeit, sodass der Schutz – inklusive Progression – grundsätzlich ab dem ersten Tag des Vertrags greifen kann.

Die drei Elemente der Leistungsberechnung

  • Grundsumme — bildet die Basis zur Berechnung der Versicherungsleistung
  • Gliedertaxe — prozentualer Wert, der jedem Körperteil zugewiesen wird
  • Progression — vervielfacht die Leistung ab rund 25 % Invalidität

Beispiel: Ein Versicherungsnehmer hat eine Unfallversicherung mit einer Grundsumme von 100.000 Euro. Nach einem schweren Autounfall verliert er ein Auge. Laut Gliedertaxe liegt der Invaliditätsgrad für das Auge bei 50 Prozent. Ohne Progression erhält der Versicherungsnehmer demnach 50.000 Euro. Mit eingeschlossener Progression bliebe es bei einem Invaliditätsgrad von 50 % zwar noch im moderaten Bereich – erst oberhalb der Eingangsstufe würde der Wert spürbar vervielfacht.

Wie wird die Progression in der Unfallversicherung berechnet?

Versicherte, die sich für eine Progression in der Unfallversicherung entscheiden, können zwischen folgenden Progressionsstufen wählen:

Übersicht der Progressionsstufen in der Unfallversicherung
Progressionsstufe 25–50 % Invalidität Über 50 % Invalidität
Progression 225verdoppeltverdreifacht
Progression 350verdreifachtverfünffacht
Progression 500verdreifachtverachtfacht
Progression 1000verdreifachtverachzehnfacht

Liegt die Invalidität bei 100 Prozent, so ist die Berechnung der Versicherungssumme deutlich einfacher. Mit einer Progression 350 würde der Versicherte beispielsweise das 3,5-fache der Versicherungssumme erhalten. Bei einer Grundsumme von z. B. 100.000 Euro wären das 350.000 Euro. Die in der Praxis am häufigsten angebotenen Stufen sind 225 %, 350 % und 500 %.

Beispiel zur Progression 225

Für das Beispiel gehen wir von einer Versicherungssumme von 100.000 Euro und einem Invaliditätsgrad von 70 Prozent aus:

Berechnungsbeispiel: Auszahlung bei Progression 225
Invaliditätsbereich Auszahlung
Erste 25 % Invalidität (einfach)25.000 Euro
25–50 % Invalidität (verdoppelt)50.000 Euro
50–70 % Invalidität (verdreifacht)60.000 Euro
Gesamtauszahlung135.000 Euro

Ohne Progression läge die Auszahlungssumme bei nur 70.000 Euro (70 % von 100.000 Euro). Die Progression 225 sorgt hier also für rund 65.000 Euro Mehrleistung.

Beispiel zur Progression 350

Wie in dem vorherigen Beispiel gehen wir hier wieder von denselben Tarifgrundlagen aus (Versicherungssumme: 100.000 Euro, Invaliditätsgrad: 70 %):

Berechnungsbeispiel: Auszahlung bei Progression 350
Invaliditätsbereich Auszahlung
Erste 25 % Invalidität (einfach)25.000 Euro
25–50 % Invalidität (verdreifacht)75.000 Euro
50–70 % Invalidität (verfünffacht)100.000 Euro
Gesamtauszahlung200.000 Euro

Beispiel zur Progression 500

Mit der Progression 500 können Sie im Vergleich zu den kleineren Varianten die Versicherungsleistung nochmal in einem erheblichen Maße steigern (Versicherungssumme: 100.000 Euro, Invaliditätsgrad: 70 %):

Berechnungsbeispiel: Auszahlung bei Progression 500
Invaliditätsbereich Auszahlung
Erste 25 % Invalidität (einfach)25.000 Euro
25–50 % Invalidität (verdreifacht)75.000 Euro
50–70 % Invalidität (verachtfacht)160.000 Euro
Gesamtauszahlung260.000 Euro

Beispiel zur Progression 1000

Bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro und einem Invaliditätsgrad von 70 % wird Ihre Geldleistung so berechnet:

Berechnungsbeispiel: Auszahlung bei Progression 1000
Invaliditätsbereich Auszahlung
Erste 25 % Invalidität (einfach)25.000 Euro
25–50 % Invalidität (verdreifacht)75.000 Euro
50–70 % Invalidität (verachzehnfacht)360.000 Euro
Gesamtauszahlung460.000 Euro

Tabelle zur Progressionsstaffelung

Aus dieser Tabelle gehen die Auszahlungssummen, die je nach Invaliditätsgrad fällig werden, hervor. Anhand der Progressionstabelle können Versicherte für Ihre private Unfallversicherung besser beurteilen, ob die Mehrleistung durch die Progression sinnvoll ist.

Beispiel Progressionsstaffelung: Allianz Unfallversicherung
Invaliditätsgrad Progression 225 Progression 350 Progression 500
25 %25 %25 %25 %
30 %35 %40 %40 %
40 %55 %70 %70 %
50 %75 %100 %100 %
60 %105 %150 %180 %

Quelle: Allianz

Hinweis

Auch wenn die Erhöhungen in der Regel ähnlich sind, kann es Unterschiede zwischen den Anbietern und den Tarifen geben. Die vorhergehenden Beispiele und Tabelle dienen nur als Orientierung. Lesen Sie hierfür den Vertrag für die Unfallversicherung gründlich durch.

Progressionsrechner: Progression online berechnen

Mit dem folgenden Progressionsrechner können Sie Ihre Progression in der Unfallversicherung in wenigen Sekunden berechnen. Stellen Sie Ihre vereinbarte Grundsumme, den Invaliditätsgrad und die gewünschte Progressionsstufe ein – der Rechner zeigt Ihnen sofort die Invaliditätsleistung mit Progression sowie die Mehrleistung gegenüber einem Tarif ohne Progression.

Der Rechner folgt dem gängigen Staffelmodell der privaten Unfallversicherung: Die ersten 25 % Invalidität werden einfach gewertet, der Bereich von 25–50 % und der Bereich über 50 % mit einem steigenden Faktor je nach Progressionsstufe. Die Ergebnisse entsprechen den Rechenbeispielen weiter oben. Die genaue Progressionskurve legt jeder Versicherer in seinen Bedingungen fest und kann im Einzelfall abweichen.

Progressionsrechner

Wie stark erhöht die Progression Ihre Invaliditätsleistung?

10.000 € 500.000 €
0 % 100 %

Leistung mit Progression

entspricht  % der Grundsumme

Mehrleistung vs. ohne Progression

ohne Progression:

Berechnung nach dem gängigen Staffelmodell (erste 25 % einfach, 25–50 % und über 50 % mit steigendem Faktor) und entspricht den Rechenbeispielen oben. Die genaue Progressionskurve legt jeder Versicherer in seinen Bedingungen fest und kann abweichen.

Ist eine Progression in der Unfallversicherung sinnvoll?

Die Progression in der Unfallversicherung ist grundsätzlich sinnvoll. Denn je hochgradiger die Invalidität, desto höher sind auch die anfallenden Kosten. Beispielsweise kann es zu umfangreichen Umbaumaßnahmen kommen oder eine aufwändige Betreuung notwendig sein. Zudem kann es sein, dass die Person nicht mehr bzw. kaum mehr arbeiten kann. In solch einem Fall dient die Versicherungsleistung auch als Einkommensausgleich.

Dennoch kommt es auch hier auf die persönliche Situation der versicherten Person an. Ist die Person für Kinder oder andere Angehörige verantwortlich? Gibt es Kredite, die abbezahlt werden müssen? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Person ihren Beruf im Fall einer körperlichen Einschränkung nicht mehr ausführen kann? Die Progression ist demnach für einen Familienvater sinnvoller als für eine alleinstehende Studentin.

Wer sich für eine Progression in der Unfallversicherung entscheidet, wird sich im nächsten Schritt fragen, wie hoch diese sein soll. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht, doch das Bruttojahreseinkommen dient häufig als Orientierung. Als grobe Faustregel wird oft eine Grundsumme in Höhe des etwa Fünf- bis Sechsfachen des Jahresbruttoeinkommens genannt – allerdings stets in Kombination mit einer Progression, nicht als starrer Wert. Auf dieser Basis greifen viele Versicherte zu einer Progression von 350 %, weil sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beitrag und Mehrleistung bei schwerer Invalidität bietet.

Tipp

Sie interessieren sich für das Thema Unfallversicherung? Dann lesen Sie unsere Artikel zu den Themen: Unfallversicherungspflicht und Unfallversicherung im Todesfall.

Häufig gestellte Fragen zur Progression

Die Progression ist ein prozentualer Faktor, der die Versicherungsleistung bei höheren Invaliditätsgraden vervielfacht. Ab einem Invaliditätsgrad von rund 25 % greift die Progression und erhöht die Auszahlung stufenweise. Übliche Stufen sind 225 %, 350 % und 500 %.

Häufig wird eine Progression von 350 % genannt. Als Orientierung gilt eine Grundsumme von etwa dem Fünf- bis Sechsfachen des Jahresbruttoeinkommens in Kombination mit einer Progression. So erhalten Sie bei schwerer Invalidität eine deutlich höhere Leistung. Welche Stufe für Sie passt, hängt aber von Ihrer persönlichen Situation ab.

Bei einem Invaliditätsgrad unter rund 25 % greift die Progression in der Regel nicht – hier wird nur die einfache, anteilige Versicherungssumme ausgezahlt. Die Progression lohnt sich daher vor allem als Absicherung gegen schwere Unfälle mit hohem Invaliditätsgrad.

In der Regel können Sie die Progressionsstufe während der Vertragslaufzeit anpassen. Sprechen Sie dazu mit Ihrem Versicherer. Eine Erhöhung der Progression führt in der Regel zu einem höheren Versicherungsbeitrag.

Die Auszahlung wird stufenweise ermittelt: Die ersten 25 % Invalidität zählen einfach, der Bereich von 25–50 % und der Bereich über 50 % werden mit dem Faktor der gewählten Progressionsstufe multipliziert. Bei Progression 350 und einem Invaliditätsgrad von 70 % ergeben sich aus einer Grundsumme von 100.000 Euro so 200.000 Euro. Am einfachsten berechnen Sie Ihre Progression mit unserem Progressionsrechner weiter oben.